Wer Degus einmal näher kennengelernt hat, ist meist fasziniert von der Körper– und auch der Lautsprache dieser Nager. Das gesamte Verhalten dieser Nager ist sehr interessant. 

Degus sind sehr soziale Tiere, die sich nur in einer Gruppe oder zumindest zu zweit wohlfühlen. Im Kontakt zu ihren Artgenossen verwenden Degus einige Gesten und zeigen ein ähnliches "Sprachverhalten" wie Meerschweinchen (mit diesen sind sie auch verwandt).

Schrill pfeift ein Degu, der seine Artgenossen warnen möchte. Sollte er Gefahr wittern, versteinert er oft für kurze Zeit und gibt diesen grellen Ton von sich. Nehmen die restlichen Tiere die Warnung als tatsächlich ernst an, huschen die Tiere in ein Versteck. Auf obigen Bild seht Ihr Jule, die vorsichtig aus ihrem Versteck schlich, um zu sehen, ob die Luft wieder rein ist - die Anspannung kann man ihr ansehen. 

Ärgerliches quieken lassen Degus hören, wenn sie in Ruhe gelassen werden möchten. Besonders beim Füttern lassen sie diesen Ton öfters hören. Gleichzeitig wehren sie mit den Vorderpfoten die Artgenossen ab, die versuchen, einen Leckerbissen zwischen den Pfoten des anderen zu beschnuppern oder gar wegzunehmen.

Außerdem wird die Abwehr gegenüber den anderen Mitgliedern der Gruppe auch mit Gesten sehr deutlich gezeigt – ein gekrümmter Rücken und die Breitseite wird hierbei dem "Gegner" präsentiert. Hier endet in einigen Fällen auch schon die Auseinandersetzung.

Wird ein deutliches Quieken oder auch das Zeigen der Breitseite nicht anerkannt,  kommt es zu einem im Normalfall unblutigen, vollkommen harmlosen Kampf. Hierbei werden die Beine durchgedrückt und die Degus schubsen sich gegenseitig (siehe Fotos). Die Zähne werden bei einem kurzen, harmlosen Kampf normalerweise nicht bzw. nur zur Drohung eingesetzt. Selbst die sonst friedlichsten Degus zeigen dieses Verhalten relativ häufig, wenn es um die besten Futterbrocken geht. 

Diese spannenden Fotos stellte uns Schennue zur Verfügung - vielen Dank!

Eine schärfere Art der Auseinandersetzung wäre jedoch auch möglich. Bei Rangordungskämpfen bzw. besonders wenn neue Degus aneinander gewöhnt werden, kann es zu heftigeren Kämpfen kommen. Wenn hier die Zähne zum Einsatz kommen, sollte man trennen, falls es zu stärkeren Bisswunden kommt. Achtung – mit Handtuch o.ä. dazwischengehen, da im Eifer des Gefechtes sonst auch die Hand leicht Opfer werden kann.

Über die Zusammengewöhnung von Degus sowie Rangordnungskämpfe gibt es eine gesonderte Unterseite, die auch nähere Verhaltensweisen beschreibt:  = Klick =

Ansonsten bewegen sich Degus geschmeidig – sie erinnern dabei oft an Hörnchen. Auch daher wurde der Degu anfangs zu den Hörnchenverwandten gezählt. Allerdings sind Degus nicht so geschickte Springer wie die Hörnchen.

Ein wohliges Glucksen bzw. trällern geben Degus von sich, wenn sie beispielsweise gegenseitige Fellpflege betreiben. Diese Geste ist für Degus von großer Bedeutung. Dabei steigen die Tiere oft auf den Rücken des anderen Degus auf (ähnelt im ersten Moment der Paarung) und beknabbern dann den Nacken bzw. den gesamten Bereich um die Ohren. Zahme Degus genießen ein solches Kraulen auch von "ihrem Menschen".

Manchmal kann man auch beobachten bzw. hören, wie ein Degu lang anhaltend immer wieder "schreit". Wenn es sich um rhythmisch ausgestoßene, schrille Laute handelt, die der Degu über mehrere Minuten hinweg ausstößt, sich aber ansonsten normal verhält, dann gibt es im Regelfall keinen Grund zur Besorgnis. Die Laute sind eine Art Unmutsäußerung, die mit dem Sexualtrieb, aber auch evtl. mit anderen Dingen wie schlechten Träumen etc. zusammen können. So richtig kennt niemand die Ursache dafür. So lange sich der Degu jedoch sonst normal verhält und keine Schmerzen zeigt, besteht kein Grund zur Besorgnis. Ein weiteres Indiz dafür, dass es sich um diese Unmutsäußerung handelt, ist dass die anderen Degus von den Geräuschen völlig unbeeindruckt bleiben.

Ein Degu, der richtig ausgelassen ist, springt auch mal munter im Käfig umher – diese "Freundenhopser" zeigen jedem Beobachter, daß Tiere sehr wohl auch gute Laune zeigen können! Bei besonderer Aufregung können Degus auch mit der Schwanzspitze wedeln. Dies ist beim Paarungsverhalten manchmal zu beobachten, aber auch wenn es um die Verteidigung von Futter geht.

Immer wieder liest man, daß Degus tagaktiv sind. Doch als Heimtiere zeigen sie sich auch Nachts häufig etwas "geräuschintensiver". Viele Degus passen sich hierbei aber mit der Zeit dem Halter an. Man kann dies evtl. noch etwas begünstigen, indem man sich am späten Nachmittag viel mit ihnen beschäftigt, frisches Heu, Knabbersachen o.ä. gibt. Dann sind sie abends, wenn wir Menschen auch irgendwann schlafen wollen, meist auch ein wenig erschöpft und ruhiger ;-). Mit der Zeit gewöhnen sie sich dann häufig auch an einen solchen Rhythmus.

 
Zu anderen Heimtieren sind Degus häufig recht freundlich - jedoch ist nicht zu empfehlen, Degus mit anderen Tieren in einem Käfig zu halten. Durch die unterschiedlichen Lebensgewohnheiten und meist auch Ernährungsansprüche kommen hier schon Probleme auf. Auch sonst kommt es im gemeinsamen Käfig evtl. zu blutigem Streit unter den verschiedenen Tierarten, was einzelne Halter leider bereits "erforscht" hatten. 

Überwiegend gute Erfahrungen habe ich gemacht, als die Degus im Freilauf Meerschweinchen und Kaninchen kennen lernten. Nebenstehend eines der Beweisfotos. Degu Jule und Kaninchen Alina fressen friedlich zusammen Grünfutter - sogar das gleiche Stück! Bei den Kaninchen betrieben die Degus sogar Fellpflege und das Meerschweinchen wurde auch neugierig erkundet und als "Freund" eingestuft. Allerdings muß ich inzwischen ergänzend dazu sagen, dass bei mir inzwischen ein Degumädchen lebt, welches richtig wütend auf die Kaninchen reagiert, wenn sie beim Freilauf in die Nähe kommt - wäre das Gitter nicht dazwischen, wäre das Mädel unter Umständen schon auf die friedliche Kaninchendame Kyra losgegangen. Und als nach Alinas Tod ein Kaninchenherr zu uns zog, der sonst wirklich lammfromm ist, mußte ich feststellen, dass auch Kaninchen eine Abneigung gegen Degus haben können!

Aus den Augen lassen sollte man die Tiere, selbst wenn sie sich verstehen sollten, auch im Freilauf niemals! Außerdem kann man auch nicht alle Tierarten zusammensetzen. Mongolischen Rennmäusen im gleichen Zimmer Freilauf zu gewähren, halte ich beispielsweise für unmöglich, da diese vergleichsweise angriffslustig sind, auch beim Einzelgänger Goldhamster dürfte Ärger vorprogrammiert sein. 

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