Euer Degu ist krank? Ihr möchtet Euch über mögliche Erkrankungen informieren? Wir haben hier für Euch ein paar Infos über Krankheiten und Verletzungen zusammengetragen. Sucht jedoch bitte im Zweifelsfall immer einen Tierarzt auf!

Auch wenn diese Seite hier sehr ausführlich ist, sind Degus nicht krankheitsanfälliger als andere Heimtiere auch! Diese Seite wurde sehr umfangreich gestaltet, einige der hier genannten Erkrankungen (z.B. Epilepsie, Parasitenbefall etc.) treten aber äußerst selten auf.

=> Hier geht es zu einer Diagnosetabelle, die bei der Einschätzung helfen kann!
 

Gesundheitsvorsorge Diabetes/Zuckerkrankheit - Trübung der Linsen
Bißverletzungen/Wunden Abgerissener Schwanz
Augenerkrankungen

Atemwegserkrankungen

Fellprobleme/Hautprobleme Überlange Krallen
Zahnprobleme Durchfall/veränderter Kot
Aufgeblähter Bauch Epileptische Anfälle
Blutiger Urin Endoparasiten
Penisvorfall Hitzschlag
Kalziummangelkrämpfe nach der Geburt Abszesse
Sonstiges: Kastration von Degus, Degus im Alter  

Gesundheitsvorsorge
Während der täglichen Pflegemaßnahmen solltet Ihr auch den Gesundheitszustand Eurer Degus kontrollieren. Beobachtet Ihr Eure Tiere wirklich regelmäßig genauer, werden Euch Veränderungen am leichtesten auffallen.
Anzeichen für Krankheiten können sein:

apathisches Verhalten, Degus auffällig ruhig, reagieren nicht wie üblich o.ä. Ausgehen des Felles, evtl. gerötete oder schuppige     Stellen der Haut, u.U. häufiges Kratzen
schweres Atmen, evtl. sogar begleitet von Atemgeräuschen Gewichtsab- oder Zunahme, ggf. durch wiegen kontrollieren
Speichelfluß (evtl. Hinweis auf Zahnproblem) weicher Kot
Trübung der Augen (siehe grauer Star/Diabetes) tränende und/oder verklebte, entzündete Augen
Verkrustete Ohren Lähmungserscheinungen, humpeln o.ä.
Sekret aus der Nase Degu zeigt Schmerzen, evtl. Krämpfe

Alle diese Anzeichen sollten Alarmsignale sein. Zwar deutet nicht alles unbedingt auf eine ernsthafte Krankheit hin, trotzdem gilt: Lieber einmal zu oft als einmal zuwenig zum Tierarzt. Die Tiere haben wenig Reserven und bauen schnell ab - wartet man zu lange, kann es bereits zu spät sein.

Nachstehend findet Ihr noch zu einigen Dingen weitere Infos zu häufiger auftretenden Krankheiten und Symptomen. Diese ersetzen aber in gar keinem Fall einen Gang zum Tierarzt.

Die hier gegebenen Erfahrungsberichte können von den von Eurem Tierarzt vorgeschlagenen Therapiemöglichkeiten abweichen. Wir bringen hier nur Beispiele, mit was bereits gute oder schlechte Erfahrungen gemacht wurden. Das heißt jedoch nicht, dass eine abweichender Behandlungsvorschlag Eures Tierarztes schlechter sein muss! Wir würden uns immer über Erfahrungsberichte freuen.

Im Fall von Erkrankungen ist es immer notwendig, den Stress für die Tiere auf das Mindeste zu reduzieren. In vielen Fällen tut den betroffenen Degus auch die Wärme einer Rotlichtlampe gut. Durch eine Erkrankung fehlt den Tieren oft die Energie, sich selbst warmzuhalten. Falls eine Rotlichtlampe aufgestellt wird, bitte immer darauf achten, dass auch genug Rückzugsmöglichkeiten bestehen und es keinen Wärmestau im Käfig gibt! Statt einer Rotlichtlampe kann auch einfach ein verschlossenes Glas oder eine Flasche mit warmen Wasser verwendet werden - siehe auch http://www.degus-online.de/zubehoer.htm Achtet bei Erkrankungen auch immer sehr auf die ausreichende Wasserversorgung der Tiere und gutes Futter!

 


Linsentrübung & Diabetes

Aufgrund neuerer Erkenntnisse, bei denen wir uns auf das Buch "Leitsymptome bei Meerschweinchen, Chinchilla und Degu" stützen, haben wir die nachfolgenden Informationen zur Linsentrübung etwas überarbeitet.

Demnach kann bei der Ausbildung von Katarakten (= grauer Star, Linsentrübung) vor allem nach altersbedingten, erblich bedingten sowie diabetogenen und osmotischen Katarakten unterschieden werden. Die Pupille wirkt durch die Linsentrübung milchig bzw. zeigt sich ein weißer Fleck in der Mitte (siehe Foto).

Schon längere Zeit gibt es die Erfahrung, dass bei der Linsentrübung zwei Krankheitsverläufe auftreten. Viele Tiere werden trotz Linsentrübung sehr alt, sie kommen mit der Linsentrübung in der Regel erstaunlich gut klar und haben nie Probleme mit der Erkrankung. Jedoch gibt es leider auch einen relativ akuten Krankheitsverlauf. Diese Degus sterben oft innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten nach dem sichtbaren Auftreten der Linsentrübung - Ursache ist hier jedoch nicht die Linsentrübung, sondern die Erkrankung, die dieser zugrunde liegt. Ist etwa das erste halbe Jahr nach der offen ersichtlichen Erkrankung gut überstanden, haben die meisten Degus eine normale Lebenserwartung. Glücklicherweise ist der zweite Fall deutlich häufiger zu beobachten.

Die Linsentrübung des Auges kann Folge der Zuckerkrankheit sein, wie es auch bei erkrankten Menschen bekannt ist. Degus gelten insbesondere der alten Literatur nach für relativ anfällig. Diabetes mellitus beruht auf einem Insulinmangel. Insulin ist ein Hormon, welches zusammen mit einem weiteren Hormon (dem Glukagon) die Aufgabe hat, den Blutzuckerspiegel auf einem bestimmten Niveau zu halten. Ursache für den Insulinmangel ist häufig das Unvermögen der Bauchspeicheldrüse bzw. deren Inselorgan, eine ausreichende Menge von Insulin zu produzieren. Weiterhin ist eine unzureichende Verwertung des Insulins durch das Gewebe möglich. Dadurch kann nicht genügend Zucker (Glukose) aus dem Blut entfernt werden, der Blutzuckerspiegel steigt. Über mögliche Folgen von Diabetes könnt Ihr Euch ganz allgemein erkundigen, im Bezug auf die Erkrankung bei Degus sind leider kaum Aufzeichnungen bzw. genaue Schilderungen bekannt. Es gab vereinzelte Versuche, Degus zu behandeln, die jedoch keine besonderen Erfolge zeigten.

Neben einer Linsentrübung aufgrund Diabetes wird durch neuere Fachliteratur auch der so genannte "osmotische Katarakt" bei Degus beschrieben. Auch hier wird die Linse wie auf dem Bild trüb, die Tiere erblinden in der Regel ebenfalls nicht vollkommen. Diese Linsentrübung tritt allerdings auch bei normalen Blutzuckerwerten oder nur leicht erhöhten Werten auf. Als Begründung wird nach A. Ewrigmann/B Glöckner ("Leitsymptome bei Meerschweinchen, Chinchilla und Degu") ein auffallend hoher Aldose-Reduktase-Gehalt (Aldosereduktase ist ein Enzym, welches u.a. im Linsenepithel zu finden ist) der Linse angegeben, welcher für einen außergewöhnlich schnellen Stoffwechsel von Glucose und Galatose in osmotisch wirksame Polyole verantwortlich ist. Sowohl beim diabetogenen als auch beim osmotischen Katarakt entsteht durch die Folgen die Linsentrübung.

Vermutlich liegen darin begründet auch die beiden unterschiedlichen Krankheitsverläufe, die oben bereits beschrieben wurden.

Eine erfolgreiche Behandlungsmethode ist bisher nicht bekannt. Betroffene Tiere können meist nur noch Licht und Schatten erkennen, sind dadurch jedoch normalerweise nicht sehr eingeschränkt und gewöhnen sich daran recht schnell. 

Mehr zum Thema Linsentrübungen auch weiter unten beim Thema Augenerkrankungen. Linsentrübung bzw. Augentrübungen können auch andere Ursachen haben!

Wie kommt es zu diesen Erkrankungen und was können wir vorbeugend tun?

Fest steht, dass auch nach den neueren Erkenntnissen unsere Empfehlung, Degus möglichst zuckerarm zu ernähren, weiterhin richtig ist. Diese ist sowohl aufgrund der Anfälligkeit für Diabetes als auch bei der Problematik des osmotischen Kataraktes wichtig und entspricht der natürlichen Ernährung. 

Über die Ursache der Zuckerkrankheit bei Degus gehen die Meinungen momentan noch auseinander. Drei Punkte und ihr Zusammenspiel werden noch immer diskutiert.

Sicher ist, dass die besondere Anfälligkeit für Zuckerkrankheit vererbt werden kann. Deshalb sollte man gerade mit erkrankten Tieren erst recht nicht züchten. Mehr zum Thema Zucht ganz allgemein unter "Praktische Überlegungen zum Degunachwuchs."  

Außerdem stehen zuckerhaltige Leckerlis (Rosinen, Drops o.ä.) und Obst  im Verdacht die Zuckerkrankheit zu begünstigen.Natürlich ist Fruchtzucker auch in Gemüse wie z.B. Karotten enthalten- jedoch in den meisten Fällen in geringerem Anteil. Deshalb wird empfohlen den Tieren lieber mehr Gemüse und stark zellulosehaltiges Futter (viel Heu) zu reichen. Auch sollte das Futter nur wenig (stärkehaltiges!) Getreide enthalten.

Als letzter Punkt soll fetthaltiges Futter bzw. Bewegungsmangel eine Rolle spielen. Falsch ernährte bzw. gehaltene Degus können durchaus Übergewicthig sein. Auch dies sollte vermieden werden, denn Übergewicht gilt bei Degus wie beim Menschen als weiterer Risikofaktor, an Diabetes zu erkranken.


Verletzungen

Bißverletzungen treten nach Kämpfen zwischen Degus immer wieder auf, Fleischwunden können aber auch durch Gegenstände im Käfig oder im Auslauf entstehen. Degus haben gutes "Heilfleisch" und kleinere Wunden verheilen meist ohne Eingreifen des Menschen sehr schnell und problemlos. Sie sollten jedoch immer gut beobachtet werden, bei Verdacht auf eine Entzündung oder bei größeren Wunden sucht bitte einen Tierarzt auf! 

Bei schlecht heilenden Wunden wird manchmal das Mittel Kamillosan empfohlen. Doch die meisten Degus knabbern dadurch erst recht an Wunden herum, da die Stelle durch das Mittel brennt. Kamillosan enthält u.a. Alkohol, welcher von den Degus durch Ablecken aufgenommen wird. 


Schwanzverletzungen

Der Schwanz der Degus ist besonders empfindlich - die Tiere daher niemals am Schwanz festhalten oder gar hochheben! Durch solche falsche Behandlung oder Unfälle im Käfig reißt häufig die Schwanzhaut ab (manchmal direkt der komplette Schwanz), der Rest trocknet in den meisten Fällen ein und wird anschließend meist vom Degu abgeknabbert bzw. fällt von selbst ab. Der Schwanz wächst nicht wie z.B. bei einer Eidechse nach. Tiere ohne Schwanz sind normalerweise nur wenig eingeschränkt. Da der Schwanz normalerweise als Balancehilfe dient und so kommt es vor, dass sich „Stummelschwänzchen“ etwas ungeschickter anstellen.

Wie kleinere Fleischwunden heilt auch der Verlust oder eine Verletzung des Schwanzes häufig ohne Probleme. Wie so oft gilt: Im Zweifelsfall bzw. bei Entzündungen, stark blutenden Wunden o.ä. immer sofort einen Tierarzt aufsuchen! Auf den Fotos könnt Ihr den Heilungsverlauf an einem Beispiel sehen. In diesem Fall gab der Tierarzt lediglich ein desinfizierendes Spray mit, welches die ersten Tage verwendet wurde. Die Wunde blutete anfangs sehr stark, wobei sich das betroffene Tier weiterhin vollkommen normal verhielt. Auf dem ersten Bild ist die Verletzung nur etwa eine halbe Stunde her, auf dem zweiten Bild 2 Tage, das Schwanzende beginnt einzutrocknen. Das dritte Bild entstand eine Woche danach, das letzte Bild nach einem Monat.


Augenerkrankungen

1. Augenentzündungen bzw. verklebte Lider können aus verschiedenen Gründen bei Degus auftreten. Egal warum sie auftritt - behandelt sie bitte nicht mit Kamille! Kamille trocknet die Schleimhäute aus und reizt somit das Auge noch zusätzlich. In Kamillentee befinden sich außerdem feine Schwebstoffe, die sich im Auge alles andere als positiv auswirken.

Oft verschwindet eine Augenentzündung sehr schnell wieder. Ursache kann Staub o.ä. im Auge gewesen sein. Doch auch beispielsweise Bindehautentzündungen/Erkältungen können der Grund sein. Versucht das Auge ggf. mit etwas warmen Wasser (evtl. sicherheitshalber vorher abkochen, abkühlen lassen) offen zu halten, es sollte nicht verkleben. Besser ist es jedoch, beim Tierarzt eine entsprechende antibiotische Augensalbe bzw. Augentropfen zu besorgen und nicht selbst "herumzudoktern". Augenentzündungen können leicht chronisch werden! In Verbindung mit einer Erkältungserkrankung sollte baldmöglichst ein Tierarzt aufgesucht werden!

2. Verletzungen des Auges

Auf den  Bildern ist ein Degu mit einer Hornhautverletzung zu sehen. Eine solche vollständige Trübung des Auges sollte schnellstmöglich von einem Tierarzt untersucht werden, insbesondere muß abgeklärt werden, ob sich ein Fremdkörper im Auge befindet. Die Behandlung mit einer antibiotischen Augensalbe kann mit etwas Glück zu einer schnellen Besserung führen.

Ein schlimmen Fällen und/oder ohne Behandlung einer solchen Verletzung kann es zu einem Auslaufen des Auges kommen! Bitte unterschätzt also eine solche Trübung nicht!

Erfahrungsbericht: Auf den Bildern ist mein Degu Charly zu sehen. In diesem Fall trat die Trübung an einem Sonntag auf, die Erstversorgung wurde daher nach der Rücksprache mit einer Tierärztin durch Spülung mit einer Kochsalzlösung sowie den Augentropfen "Floxal" (aus der Apotheke) vorgenommen. Das erste Bild entstand kurz nach Entdeckung, das mittlere Bild nur ca. 3 Stunden später. Das verklebte Fell kommt von der Behandlung mit Augentropfen/Augensalbe.

Nach einem Tierarztbesuch (es wurde eine schwerere Hornhautverletzung festgestellt, kein Fremdkörper im Auge) verwendete ich stündlich abwechselnd Floxal und Polyspectran-Augentropfen. Zudem Regepithel, welches die Wundheilung begünstigt. Das dritte Bild entstand 2 Tage später, hier ist schon eine deutliche Besserung zu erkennen, eine Woche später war das Auge wieder fast ganz klar. 

3. Eine reine Linsentrübung ist in manchen Fällen eine Folge von Diabetes oder ein osmotischer Katarakt, Bild & Beschreibung siehe oben. Sie kommt aber auch als Alterserscheinung, Mangelerscheinung o.ä. vor. Leider ist zu diesem Thema noch nicht viel genaues bekannt. Denn einige Halter suchen keinen Tierarzt auf und manche Tierärzte schieben es ohne weitere Untersuchung auf Diabetes. Daher bitten wir Euch uns zu berichten, welche Erfahrungen Ihr zu diesem Thema gesammelt habt! Schreibt uns bitte eine Mail an biene@degus-online.de, wenn Ihr wegen Linsentrübungen einen Tierarzt aufgesucht habt oder sonstiges dazu berichten könnt! Auf einer Unterseite findet Ihr bereits eine Sammlung von Erfahrungen zu diesem Thema: http://www.degus-online.de/linsentruebung.htm

Aufnahme zur Verfügung gestellt von www.juana.de4. Geplatzte Äderchen führten wohl zu der Blutansammlung im Auge des rechts abgebildeten Degus. Dies wurde im Forum inzwischen mehrfach berichtet, betroffen waren bisher immer Tiere die bereits an einer Linsentrübung litten. In den hier bekannten Fällen bildete sich die rote Färbung wieder zurück. Wir raten eine Vorstellung des Degus beim Tierarzt an, um eine Verletzung am Auge als weitere mögliche Ursache auszuschließen!

5. Auch den Verdacht auf den Grüne Star (Glaukom) gab es schon. Dies ist eine Augenerkrankung, die durch einen dauerhaften oder zeitweise erhöhten Augeninnendruck gekennzeichnet ist. Der Druck behindert die Blutversorgung der Sehnerven. Bei dem bisher bei Degus bekannten Fall war Haltern eine Vergrößerung des Auges bzw. leichtes Hervorstehen aufgefallen, auch das Tränen der Augen kann vorkommen. Die Erhöhung des Augeninnendruckes kann sehr schmerzhaft für das betroffene Tier sein. Die Behandlung sollte daher in die Hand eines Tierarztes gelegt werden. Aufgrund der Schmerzen kann unter Umständen sogar die Entfernung eines Auges die Folge sein. Der betroffene Degu kommt in einem solchen Fall meist weit besser als sein Halter damit klar.


Atemwegserkrankungen, Bronchitis, Lungenentzündung*

Atemwegserkrankungen sollten beim Degu nie auf die leichte Schulter genommen werden, da sie unbehandelt schnell den Tod des Tieres bedeuten können. Bei dem Verdacht auf eine Atemwegsinfektion bitte unbedingt ein Tierarzt aufsuchen!

Das erste Anzeichen einer Atemwegserkrankung ist häufig vermehrtes Niesen. Natürlich niest jedes Degu ab und an, z.B. wenn es Staub oder Wasser in die Nase bekommen hat, aber wenn dazu Nasenausfluss auftritt, liegt fast 100%ig eine Erkrankung vor. Oft bemerken wir es nicht sofort, da die Degus ihre Nase durch vermehrtes Putzen sauber halten. Manchmal, besonders bei klebrigem oder zähflüssigem Sekret, geht diese Reinigungsarbeit so weit, dass hinterher die Pfoten kahl sind. Neben diesem „Schnupfen“ kommt es nicht selten auch zu einer Entzündung der Lidbindehäute und die Augen scheinen verklebt. Schreitet die Erkrankung voran, hört das betroffene Tier auf zu fressen und sitzt oder liegt häufig mit gesträubtem Fell apathisch im Käfig. Ist die Lunge betroffen, können knackende oder pfeifende Atemgeräusche zu hören sein und das Degu bekommt nur sehr schlecht Luft, atmet vermehrt durch das Maul. Ist es erst einmal so weit gekommen, ist die Prognose nicht sehr günstig.

Als Ursachen kommen sowohl virale, als auch bakterielle Erreger in Frage, die z.B. durch Zugluft, andere Erkrankungen, Stress oder ungünstige Haltungsbedingungen die Möglichkeit erhalten, die geschwächten Atemwege zu infizieren. Selten kommen auch parasitäre oder durch Schimmelpilze verursachte Erkrankungen vor.
Leider gibt es für die viralen Erkrankungen keine ursächliche Therapie; der Tierarzt wird also versuchen, das Immunsystem des Degus zu stärken (z.B. durch die Gabe von Echinacea Präparaten, Vitaminen oder homöopathischen Formulierungen wie N300 Nagertropfen), damit es die Infektion selber bekämpfen kann und eventuell trotzdem ein Antibiotikum verabreichen, damit sich keine Bakterien auf den ohnehin schon angeschlagenen Schleimhäuten niederlassen.

Zur Bekämpfung der bakteriellen Erreger stehen Antibiotika zur Verfügung, die dem jeweiligen Erreger angepasst verabreicht werden können. Leider vertragen Degus Antibiotika nur sehr eingeschränkt, so dass es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen kann. Um diese Nebenwirkungen im Rahmen zu halten, sollte die bakterielle Darmflora durch die Gabe von Milchsäurebakterien stabilisiert werden. Zu diesem Zweck eignen sich z.B. Bird Bene Bac oder auch Hylak (Humanmedizin); im Notfall können auch die frischen Köttel eines gesunden Artgenossen aufgelöst und verabreicht werden. Auch bei bakteriellen Erregern ist die Stärkung des Immunsystems wichtig. Falls das betroffene Degu nicht mehr frisst, sollte eine Zwangsernährung vorgenommen werden.

Bei parasitären Erregern oder Pilzerkrankungen muss der Tierarzt die Therapie dem Einzelfall anpassen.

Zuhause kann man einiges tun, um dem kranken Degu Erleichterung zu verschaffen:
Wichtig ist eine staubarme Einstreu (z.B. Hanfeinstrei, Euro-Lin) und eine warme, ruhige und zugluftfrei Unterbringung. Viele kranke Degus nehmen angebotenes Rotlicht gerne an. Man sollte immer nur einen Teil des Käfigs bestrahlen, damit die Tiere eine Ausweichmöglichkeit haben und nicht überhitzen. Zur Erleichterung der Atmung können einige Tropfen eines milden, mentholfreien Inhalationsmittels für Säuglinge (z.B. Babix-Inhalat N) auf ein Tuch in der Nähe des Käfigs geträufelt werden. Diese Maßnahme ist nicht unumstritten, da es wie bei jedem ätherischen Öl u.U. zu Unverträglichkeiten kommen kann; in diesem Fall ist das Tuch natürlich unverzüglich zu entfernen. Es ist sinnvoll, die Luft mit aufgestellten Wasserschalen bzw. feuchten Tüchern auf dem Käfig anzufeuchten, das hilft den Schleimhäuten. Sehr zahme Degus, die es gewohnt sind, auf der Hand zu sitzen, können auch vorsichtig inhalieren (ich selbst habe damit sehr gute Erfahrungen)*. Dazu gibt man einen gehäuften Teelöffel Kochsalz in eine hitzebeständige Schüssel und übergießt es mit ca. einem Liter heißen Wassers (nicht kochend!). Damit das Degu nicht in das heiße Wasser fallen kann, empfiehlt es sich, ein Gitter über die Schüssel zu legen. Nun kann man das Degu für einige Minuten mit Leckerchen abgelenkt über den aufsteigenden Wasserdampf halten. Die Dampftemperatur muss natürlich vorher überprüft werden, damit sich das Degu die Nase nicht verbrüht! Bitte probiert dies nur, wenn sich Euer Degu nicht dagegen wehrt! Nach diesem Dampfbad verschlimmert sich das Niesen natürlich, da das Sekret nun abfließt und die Nase zu laufen beginnt. Wenn das Degu gut frisst, solltet ihr besonders auf vitaminreiche und etwas energiereichere Ernährung achten.

Da viele Tierärzte unsicher sind, welche Antibiotika eingesetzt werden können, hier einige Empfehlungen (Nebenwirkungen sind damit natürlich auch nicht auszuschließen!!!):

Auf folgende Antibiotika sollte verzichtet werden, da sie zumindest beim Meerschweinchen erwiesenermaßen toxisch sind: Penicillin, Lincomycin, Ampicillin, Amoxicillin, Cephalosporine jeder Art, Clindamycin und Erythromycin (die sog. PLACE-Regel).
Relativ gute Erfahrungen wurden mit Chloramphenicol (Chloromycetin Palmitat z.B.), Fluorchinolonen wie Enrofloxacin (Baytril) oder Marbofloxacin (Marboxyl) sowie Sulfonamiden (Sulfaperin/Retardon) gemacht. Für Marbofloxacin liegen bisher nur wenige Erfahrungen vor, diese sind jedoch positiv.
Bei geschwächten Tieren kann die Gabe von Amynin oder eines ähnlichen Präparates sehr positiv wirken.
Degus die die Erkrankung überleben, brauchen in der Rekonvaleszenz (Genesung) eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung. Oft dauert die Ausheilung sehr lange.


Fellprobleme
Nachstehend findet Ihr einige häufige Ursachen für Fellprobleme. Leider können auch Pilze, Parasiten und andere Dinge Ursachen für die hier genannten Fellprobleme sein. Es ist also im Zweifelsfall immer ratsam, einen Tierarzt hinzuzuziehen, besonders wenn die Haut gerötet ist, schuppt, juckt oder andere Auffälligkeiten zeigt!
Vier Arten von Fellproblemen treten bei Degus recht häufig auf:  

1. Übermäßiges Kraulen
Degus sind sehr soziale Tiere und verbringen viel Zeit damit, sich gegenseitig zu kraulen. Gelegentlich wird dabei beobachtet, dass durch dieses häufige Kraulen und Beknabbern das Fell in der Gegend um die Ohren und/oder am Rücken vermehrt ausfällt (siehe Foto links). Beim so genannten "Fellfressen" wird diese soziale Handlung übertrieben durchgeführt, als Ursache wird meist Stress z.B. während oder nach einer Vergesellschaftung, dem Tod eines Tieres, Ortswechsel etc. vermutet. Manchmal hilft es, den Degus mehr Abwechslung zu bieten, evtl. größerer Käfig und das Ausschalten von Stressquellen (Lärm, andere Haustiere, laute Kinder etc.) wirken oft Wunder. Fellfressen ist auch z.B. bei Chinchillas bekannt.

2. Kahle Pfoten
Sie treten bei Degus recht häufig auf und bisher ist der Grund nicht sicher bekannt. Auf der Oberfläche der Vorderpfoten gehen die Haare aus, oft nur an einer Pfote und nicht bei allen Degus der Gruppe. Einige Degus wurden von Tierärzten mit Verdacht auf Pilze oder Ernährungsprobleme (besonders Mangel an essentiellen Fettsäuren) behandelt, beides scheint jedoch nicht der Grund zu sein. Evtl. sind die Tiere selbst für den Fellverlust verantwortlich; es besteht der Verdacht, dass sich die Tiere das Fell selbst abkauen. Dies konnte zumindest von einzelnen Haltern beobachtet werden. Auf jeden Fall sind kahle Pfoten bestenfalls ein kleiner „Schönheitsfehler“ und für die Tiere nicht weiter tragisch, sofern krankhafte Ursachen ausgeschlossen werden können.  Manchmal hilft z.B. mehr Abwechslung, denn scheinbar ist es häufiger ein psychisches Problem.

3. Dünn behaarter Bauch
Ältere Degus können in der Bauchregion schütteres Fell bekommen. Das kann bis zu kahlen Stellen führen.

4. Kahle Stelle über der Nase
Sie kommt meist vom Nagen an Gitternstäben o.ä. Dabei scheuern sich die Degus das Fell nach und nach ab. Viel Abwechslung mag die Degus evtl. vom Gitternagen ein wenig abhalten- meistens ist Gitternagen jedoch „nicht therapierbar“ und, sofern es nicht stundenlang und stereotyp ausgeübt wird, nicht schädlich für die Tiere.

5. Parasitäre Erkrankungen*
Neben Bakterien, Viren und Pilzen können auch Parasiten Krankheitserscheinungen beim Degu hervorrufen. Die Parasiten kann man grob in zwei Gruppen gliedern, nämlich in die Ektoparasiten (sie leben auf bzw. in der Haut und dem Fell des Degus) und die Endoparasiten (sie finden sich im Körper, vorwiegend im Darmtrakt).

Ektoparasiten
Zu den Ektoparasiten, die sich auf einem Degu finden können, gehören Haarlinge, Milben und Läuse. Ab und an verirrt sich auch mal ein Floh. Oft findet man bei genauerer Charakterisierung die eingeschleppten Ektoparasiten anderer Haustiere (Haarlinge der Meerschweinchen, die rote Vogelmilbe oder auch Läuse der Ratten).
Zu den Symptomen eines Ektoparasitenbefalls gehören: Haarausfall, Juckreiz, starke Unruhe bis hin zu anfallsartigen Krämpfen, Abmagerung, Krusten und Kratzekzeme sowie Veränderungen der Hautstruktur. Manchmal lassen sich die Parasiten mit bloßem Auge erkennen (z.B. Haarlinge und Läuse).
Wenn der Verdacht besteht, dass ein Degu mit Ektoparasiten befallen ist, sollte schnellstmöglich ein Tierarzt aufgesucht werden, der die Parasiten bestimmen und eine Therapie einleiten kann.

Behandlungsmöglichkeiten:
Viele Ektoparasiten lassen sich mit Ivermectin (z.B. Ivomec) behandeln, bei Degus sind jedoch auch negative Berichte darüber bekannt. Dieses Medikament kann grundsätzlich entweder verdünnt injiziert werden oder in einem Spot-on Verfahren verabreicht werden. Bei einer Spot-on Behandlung kann es manchmal zu einer lokalen Reaktion der Haut kommen, die sich u.U. in Haarausfall äußert. Bei Jungtieren wird vollkommen von einer Behandlung mit Ivermectin abgeraten, ansonsten muss darauf geachtet werden, dass das Mittel nicht oral aufgenommen werden kann. Möglicherweise ist es hier sinnvoll, den Tierarzt auch auf alternative Medikamente anzusprechen.
Bei Degus sollte von Bade- oder Puderbehandlungen abgesehen werden.

Die Behandlung schließt auch die Säuberung des Käfigs und der Gebrauchsgegenstände sowie eine Mitbehandlung der Gruppe mit ein. Anleitungen dazu, kann der Tierarzt je nach Parasitenart geben.

Einen kurzen Erfahrungsbericht über Läuse bei Degus findet Ihr hier.

Endoparasiten
Endoparasiten finden wir meistens im Magen-Darm-Trakt, auch wenn es Parasiten gibt, die andere Organe befallen können. Es finden sich bei Kotuntersuchungen vor allem Giardien, Kokzidien, Rundwürmer und Bandwürmer. Häufig geht ein Befall auch ohne klinische Symptome einher.
Symptome: Zu den Symptomen eines Endoparasitenbefalls im Magen-Darm-Trakt gehören Durchfall, Abmagerung, struppiges Fell und Schwäche. Häufig sind Jungtiere befallen.
Auch hier sollte bei einem Verdacht umgehend der Tierarzt aufgesucht werden. Eine Kotuntersuchung gibt Aufschluss über die Art des Parasiten und der Tierarzt kann danach die Behandlungsstrategie festlegen.

Behandlungsmöglichkeiten:
Giardien und Rundwürmer lassen sich mit Fenbendazol (Panacur) behandeln, welches von den Degus gut vertragen wird, bei einem Bandwurmbefall wurde eine Behandlung mit Praziquantel beschrieben.
Kokzidien sind z.B. mit einer Sulfamethazinlösung bzw. Sulfadimidinlösung zu behandeln.
Auch hier sollten eine Therapie der ganzen Gruppe und die Einbeziehung des Käfigs erfolgen. Prophylaktisch ist auf gute Hygiene und Haltungsbedingungen sowie ausreichende Vitamin- und Mineralstoffversorgung zu achten, da Tiere mit einem starken Immunsystem seltener schwerwiegende klinische Symptome entwickeln.

Eine parasitäre Erkrankung, die nicht den Darm betrifft, ist die Toxoplasmose. Oozysten des Erregers Toxoplasma gondii werden über infiziertes Futter aufgenommen und können dann in verschiedene Organe gelangen. Häufig verläuft dieser Befall unbemerkt und es treten nie klinische Symptome auf, es kann jedoch auch zu schweren Symptomen kommen, die eventuell sogar zum Tod des Tieres führen können. Dazu gehören: Abmagerung, Durchfall, Lungenentzündungen, Atemnot, Krämpfe, Lähmungen, Augenausfluss, Aborte und Totgeburten bei trächtigen Weibchen. Es kann eine Therapie mit Sulfonamiden und/oder Trimethoprim versucht werden. Die Prognose ist abhängig von der Schwere der Erkrankung.

6. Pilzerkrankungen
Wie fast alle Heimtiere können auch Degus Hautpilze bekommen. Es handelt sich dabei um winzige Organismen, die sich im auf der Haut und im Fell ansiedeln. Sie verbreiten sich durch Pilzsporen, teilweise durch direkten Kontakt, jedoch unter Umständen auch durch alle Gegenstände oder z.B. das Futter.

Pilze zeigen sich anfangs meist durch recht typische Hautveränderungen - kreisrunde, haarlose stellen überwiegend am Kopf, Hals, rund um die Augen, der Ohrennähe oder den Beinchen. Im Verlauf der Erkrankung kann sich der Pilz stark ausbreiten. Damit verbunden sein kann ein Juckreiz, die betroffenen Stellen sind meist etwas geschuppt, manchmal bildet sich ein leichter rötlicher Rand, das Fell geht rundherum oft leicht aus. Das Krankheitsbild muss jedoch nicht immer so eindeutig sein. Zur Diagnose sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden, der dann auch die Behandlung festlegt. Hierbei gibt es verschiedene Salben, Sprühlösungen u.ä. Die Heilung kann sich über längere Zeit hinwegziehen. Es sollte auf besondere Hygiene im Umgang mit Tieren geachtet werden, die Hauterkrankungen haben - es können unter Umständen Übertragungen auf andere Tiere oder auch Menschen möglich sein. Übrigens müssen nicht alle Degus der Gruppe befallen sein - oft trifft es nur bereits geschwächte und anfällige Tiere!

Das Bild hat uns Tati zur Verfügung gestellt - danke! Ihre Degus wurden bei einem Pilzbefall über einen längeren Zeitraum mit Likuden-Tabletten behandelt, was auch zum Erfolg führte.


Penisvorfall, Penisring

Leckt sich ein Degu häufig im Genitalbereich oder hat Probleme beim Harnabsetzen, kann ein Penisvorfall oder Penisring die Ursache sein. 

Auf dem rechten Foto ist ein Penisvorfall zu sehen, der durch eine Verletzung ausgelöst wurde. Verletzungen durch Bisswunden oder an Gegenständen sind die häufigsten Ursachen für einen prolabierten Penis. Durch abgelöste Haare die an der Penisschleimhaut hängen bleiben, kann sich ein verengender Ring bilden - dies nennt man einen Penisring. Auch dieser kann für das Tier sehr unangenehm sein und sollte schnellstmöglich vollständig entfernt werden.

Unter Umständen kann man selbst helfen, allerdings nur bei harmloseren Fällen. Durch Kühlung kann die Schwellung etwas zurück gehen und man kann mit Unterstützung von etwas Öl oder ähnlichem vorsichtig versuchen, den Penis in die Vorhaut zurückzuschieben. Klappt dies nicht, traut man es sich nicht zu (bitte nicht herumexperimentieren!) oder spielen Verletzungen eine Rolle, ist die Schwellung deutlich zu erkennen o.ä., sollte man in jedem Fall unverzüglich einen Tierarzt aufsuchen! Ganz besonders dann, wenn sich der Penis unter Umständen sogar bläulich verfärbt.


Überlange Krallen
Normalerweise nutzen sich die Krallen von Degus durch Scharren und Klettern auf rauem Untergrund von selbst genug ab. Doch wenn dies nicht der Fall ist, kann es passieren, dass die Krallen zu lang werden. Oft biegen sie sich dann, drehen sich nach unten oder seitlich, wachsen in schlimmeren Fällen sogar in den Ballen. Schafft man nicht bald Abhilfe, kann es zu Entzündungen der Füße kommen. Die Krallen können von einem Tierarzt oder anderen Fachmann gekürzt werden. Dies erfordert etwas Erfahrung, da man die Blutgefäße/Nervenenden in den dunklen Krallen der Degus kaum erkennen kann und sie daher leicht verletzt. Bitte macht es daher selbst nur dann, wenn Ihr schon Erfahrung habt!

Zur Vorbeugung sollte man einige raue Kletter- und Wühlmöglichkeiten schaffen. Es eignen sich z.B. Lava- oder andere Steine und NaturästeAuch eine große Buddelkiste (z.B. ein im Käfig platziertes Aquarium) mit Sand, Steinen etc. gefüllt lädt zum ausgiebigen Graben und Scharren ein.


Zahnprobleme

Nimmt Euer Degu ab, frisst wenig, kaut auffällig lange oder ihr bemerkt "sabbern", solltet Ihr dringend einen Tierarzt aufsuchen. Denn all diese Punkte können auf Zahnprobleme hindeuten, bei denen Euch bzw. Euren Degus nur ein Fachmann weiterhelfen kann.

Grund kann zu geringe Abnutzung der Zähne sein oder auch eine evtl. angeborene oder erworbene Zahnfehlstellung. Degus müssen ihre Zähne ständig abnutzen (Nagetiere!), passiert dies nicht, können sowohl die vorderen, für uns sichtbaren Schneidezähne, als auch die hinteren Backenzähne zu lang werden. Dadurch werden die Tiere beim Fressen behindert, die Mundschleimhäute können gereizt oder verletzt werden und schlimmstenfalls magern die Tiere stark ab da sie nicht mehr in der Lage sind, genug Futter aufzunehmen. Ggf. kann eine Fütterung des Degus mit weichem Futter (siehe "Zwangsernährung") sinnvoll sein. Ein Tierarzt muss aber in jedem Fall aufgesucht werden! Halter mit Erfahrung können die Zähne (Schneidezähne) unter Umständen auch selbst kürzen.

Auf dem oberen linken Bild haben die Zähne die normale Färbung eines ausgewachsenen Tieres, bei Jungtieren sind die Zähne auch noch heller. Diese orange-gelbe Färbung der Schneidezähne ist also vollkommen normal. Durch diese Schicht Zahnschmelz sind die Zähne besonders kräftig!

Auf dem Bild in der Mitte seht Ihr die Zähne eines Degus mit Zahnproblemen. Bei ihm sind die oberen Schneidezähne etwas zu kurz, weshalb die unteren immer wieder zu lang werden, in den Rachenraum wachsen und deshalb gekürzt werden müssen. Auffällig ist hier auch die eigentlich zu helle Färbung der Zähne und die angegriffene Struktur der Zahnoberfläche. Rechts wird ganz deutlich, welche schlimmen Ausmaße alleine Probleme mit den vorderen Zähnen annehmen können - die oberen Zähne sind hier viel zu kurz, die unteren extrem lang.

Einige Erkrankungen bei Degus, die nicht auf den ersten Blick auf Zahnprobleme hinweisen, können dennoch die Ursache bei den Zähnen haben!

Manchmal fällt Deguhaltern auf, dass sich Degus einen der Schneidezähne abgebrochen haben. Normalerweise wächst ein solcher Zahn sehr schnell nach und ist meist kein Grund zur Besorgnis. Beobachtet in einem solchen Fall aber unbedingt, ob Euer Tier weitgehend normal fressen kann! Zudem solltet Ihr kontrollieren, ob der nachwachsende und die alten Zähne die normale Stellung behalten.


Durchfall sollte immer sofort ein Alarmzeichen sein und muss unbedingt genau beobachtet werden. Durchfall trocknet den kleinen Degukörper sehr schnell aus. Daher sollte man bei weichem Kot in jedem Fall darauf achten, dass der Degu genug trinkt. Durchfall kann viele verschiedene Ursachen haben. Manche Degus reagieren z.B. auf  Grünfutter relativ leicht mit weichem Kot, bei Zwangsernährung mit Brei kann dies von Karottenbrei kommen.

Wenn die Tiere Durchfall haben, bitte in dieser Zeit kein Grünfutter anbieten! Am besten nur Heu und Wasser oder verdünnten Fencheltee** anbieten. Sollte sich der Durchfall nicht sehr schnell bessern, ist in jedem Fall ein Tierarztbesuch anzuraten!

Auf dem Bild ist trockener, normaler Degukot zu sehen.


Aufgeblähter Bauch (Tympanie)
Bei Magen-Darm-Problemen (Ursache beispielsweise Fütterungsfehler, Antibiotikagabe) kann es bei Degus zu einem aufgeblähten Bauch kommen. Auch bei Zahnerkrankungen und damit unnormalem Fressverhalten kann dies die Folge sein. Bitte sucht einen Tierarzt auf, um die Ursache abklären zu lassen und dem Tier Erleichterung zu verschaffen. Hier kann eine Gabe von Sab Simplex und/oder auch Bene Bac hilfreich sein, andere mögliche Behandlungsvarianten wird ggf. der Arzt festlegen.. Man sollte in der Zeit überwiegend Heu füttern, kann verdünnten Fencheltee** anbieten und sollte besonders darauf achten, nichts blähendes zu füttern.


Epileptische Anfälle
Epileptische Anfälle können ein recht unterschiedliches Krankheitsbild zeigen. Leichtes Schütteln mit ungewöhnlichem Verhalten oder auch heftige Krampfanfälle können die Folge sein. Allerdings können auch Verletzungen/Schmerzen an der Wirbelsäule, Kreislaufprobleme und anderes diese Symptome hervorrufen. Eine Abklärung über den Tierarzt ist in jedem Fall wichtig.

Soweit die Anfälle nach einer Geburt auftauchen, kann es sich um Calciummangel handeln. Bei Epilepsie wurden bei Meerschweinchen teilweise gute Erfolge mit dem Medikament "Primidon" erzielt. Eventuell könnte man diese Behandlung auch bei Degus in Erwägung ziehen.  


Rot gefärbter Urin
Häufig kommen bei Degus orange oder sogar rötliche Verfärbungen des Urins vor. Meist handelt es sich dabei nicht um Blut sondern Verfärbungen aufgrund bestimmten Futters. So können beispielsweise Apfelbaumäste oder auch Rote Beete (in vielen Grundfuttern enthalten!) dazu führen. Dies wäre kein Grund zur Besorgnis.

Jedoch kann auch Blut im Urin enthalten sein. Trocknet der Urin ein, wird Blut bräunlich - daran kann man unter Umständen den Unterschied zu einer Verfärbung aufgrund des Futters unterscheiden. Bei Verdacht auf Blut im Urin sollte ein Tierarzt aufgesucht werden!


Hitzschlag
Immer wieder kommt es bei Degus zu Hitzschlägen. Ursachen sind oft Sonneneinstrahlung, Luftstau in Terrarien oder die Wärme bei einem Transport zum Tierarzt o.ä. im Auto. 

Was kann man vorbeugend tun?

- Degus immer so stellen, dass sie sich jederzeit in den Schatten zurückziehen können
- In umgebauten Aquarien/Terrarien ist die Gefahr eines Hitzestaues natürlich noch größer, immer auf gute Durchlüftung achten
- Mutet Euren Degus bei höheren Temperaturen möglichst wenig Stress zu. Stress kann dabei z.B. auch das Verlagern des Stellplatzes auf einen Balkon o.ä. sein!
- Solltet Ihr Eure Degus in dieser Zeit im Auto o.ä. transportieren müssen, macht dies am besten in aller Früh oder in den Abendstunden und achtet darauf, dass sich die Hitze nicht im Transportkäfig stauen kann
- Manche Halter hängen gekühlte, feuchte Handtücher vor den Käfig, wenn es im Sommer wirklich mal sehr heiß wird. Auch die Kühlung von Einrichtungsgegenständen wie Steinen oder z.B. dem Sandbad kann helfen. Jedoch bitte nicht übertreiben, sonst erkälten sich die Tiere. Auch Zugluft ist nicht gut! Aquarien bzw. Terrarien bitte nicht mit feuchten Handtüchern zuhängen, ist hier die Luftzirkulation nicht mehr ausreichend gegeben, kann sich die feuchte Luft im Becken stauen!
- Den Tieren immer ausreichend Wasser zur Verfügung stellen!

Ein Hitzschlag kann sich durch sehr ruhiges, schlappes Verhalten zeigen. Unkontrollierte Bewegungen können dazu kommen, die Tiere können sich schwer auf den Beinen halten, schnappen nach Luft.

Im Ernstfall sollte man versuchen, das betroffene Tier vorsichtig etwas abzukühlen, ihm Wasser anbieten und möglichst viel Ruhe. Ein Tierarztbesuch muss also in solchen Fällen besonders behutsam gestaltet werden, besser wäre, wenn ein Tierarzt einen Hausbesuch machen könnte.


Kalziummangelkrämpfe nach der Geburt
Auch bei Degus können aufgrund Kalziummangel Krämpfe, Muskelzucken und große Unruhe nach der Geburt auftreten. Allerdings sind bisher kaum Fälle bekannt - hier ist in jedem Fall Hilfe durch einen Tierarzt erforderlich!

Vorsorglich sollte man immer abwechslungsreich und hochwertig füttern. Während der Schwangerschaft und der Säugezeit kann man vorsorglich auch Hundekuchen o.ä. geben.


Abszesse
Ein Abszess ist eine vom gesunden Gewebe abgegrenzte Eiterung in einer so genannten Abszesshöhle. Die Ursachen und auch die Körperstellen, an denen er auftreten kann, ist vielfältig. So können Abszesse beispielsweise nach einer Kastration entstehen, durch einen entzündeten Zahn hervorgerufen werden oder auch nach einer Bisswunde.

Die Behandlung eines Abszesses sollte man in die Hand eines Tierarztes legen. Meist wird ein Abszess geöffnet und gereinigt, anschließend oder auch schon zuvor wird Antibiotika (häufig Baytril) gegeben. Die Entscheidung über die richtige Behandlung legt der Tierarzt je nach Lage, Ursache und Größe fest. Abszesse heilen bei Degus meist deutlich besser ab, als es z.B. bei Kaninchen der Fall ist.   


* Diese Seite wird immer wieder erweitert. Dabei geht mein ganz besonderer Dank an Sandra (im Forum als blanca bekannt), die mir mit Rat und Tat  zur Seite steht und hier insbesondere den Bereich Atemwegserkrankungen und Parasiten zusammengestellt hat. Aber auch allen anderen die Hinweise gaben oder Bilder zu Verfügung stellten, möchte ich danken!

** Fencheltee steht seit einer Weile in Verdacht, krebserregend zu sein. Jedoch handelte es sich bei den Untersuchungen um Behandlungen von Nagern mit einem isolierten, konzentrierten Inhaltsstoff (Estragol) und um eine Behandlung über langen Zeitraum. Bei Heimtieren wird die gelegentliche Gabe von verdünnten Fencheltee für unbedenklich gehalten.

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